Wer meditiert hier eigentlich?
Wenn sich die Praxis vertieft.
Schon mal jemanden vom „Meditiertwerden“ sprechen hören?
Ich möchte den Ausdruck ein wenig entzaubern, dann wieder verzaubern und nebenbei ein paar Ausblicke in eine Praxis geben, die beginnt, sich selbst zu tragen.
Wir beginnen das Meditierenlernen mit reichlich Schwierigkeit und Anstrengung. Immer wieder den Geist aus Gedanken zurückholen, den Körper entspannen, uns an eine freundliche Haltung erinnern, wachsam bleiben – that’s work! Mit der Zeit wird es zum Glück meist leichter. Nach Wochen, Monaten, Jahren regelmäßiger Praxis zeigen sich mitunter erstaunliche Veränderungen. Die Praxis geschieht mehr und mehr “von selbst”. Das eröffnet Möglichkeiten für tiefere Einsichten.
Solche Entwicklungen kennen wir aus vielen Fertigkeiten. Doch beim Meditieren betrifft sie nicht nur das Können – sondern die übende Person selbst.
Zunächst ein Vergleich:
Ich bin kein besonders guter Autofahrer. Aber auf dem Fahrrad erlebe ich manchmal einen völligen Fluss. Mit Musik im Ohr durch die Landschaft zu heizen macht mir großen Spaß und schenkt mir Momente von Selbstvergessenheit. Das war nicht immer so. Als kleines Kind konnte ich mich kaum im Gleichgewicht halten, während meine nebenher rennende Mutter versuchte, mich mit einem Tuch aufzufangen – that’s work! Heute ganz im Gegenteil: Wenn ich nach einem enthusiastischen Sprint erschöpft vom Rad steige — bin ich dann überhaupt Fahrrad gefahren? …oder wurde ich Fahrrad gefahren?
Beim Meditieren erleben wir das unmittelbar. Erscheinungen entstehen und vergehen, während wir offenbar nichts dafür tun, uns dieser Abfolge bewusst zu sein. Bewusstsein ist sich bewusst und wir sitzen einfach da. Wenn das passiert, kann man vom “Meditiertwerden” sprechen. Neuronal könnten wir beobachten, wie die Aktivität im Default-Mode-Netzwerk im Gehirn herunterfährt, wir also weniger ein Selbst fabrizieren und mehr “einfach da sind”. Hier können wir uns entscheiden, in dem zu ruhen, was wahrnimmt, also in Bewusstsein. “Was ist sich dessen bewusst?” ist eine Frage, die den Finger genau darauf zeigt: Ruhen und bewusst sein, ohne eine fixierte Perspektive einzunehmen, von der aus wir schauen. Hier sind wir noch immer in der Dualität, also der Zweiteilung, von Bewusstsein und Erscheinung — aber das Gefühl, dass es ein beständiges Selbst gibt, das in einer von ihr abgetrennten Welt agiert, beginnt zu bröckeln.
Und da beginnt die Wiederverzauberung. Mystikswitch on: Was bedeutet das für mich? Wie nenne ich dieses Bewusstsein, wenn “Ich” darin auftauche? Ist mein Bewusstsein verschieden von deinem? Ist sich dieses Bewusstsein mir und der Welt da draußen gleichermaßen bewusst? Und so weiter… Mystikswitch off! Die Praxis geht weiter und hält Erfahrungen bereit, die darauf wunderbar einfache Antworten geben und tatsächlich keine großen mystischen Konzepte benötigen. Das ist jetzt ein Cliffhanger, aber ich habe vor, dazu noch einmal mehr zu schreiben. Vielleicht heißt der dann “Vom Meditiertwerden zur Meditation“.
Euer meditate with… Team — Joseph, Coline, Anjet, Philip, Luka
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Entzaubern und verzaubern … DANKE Joseph.. manchmal ganz wenig manchmal spür ich einen klitzekleinen Moment des Zaubers….